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Welche Blende in der Landschaftsfotografie?
Die passende Blende hängt vom Motiv ab
Sie stehen vor einem weiten Tal, im Vordergrund wiegt sich ein Grasbüschel im Wind. Welche Blende stellen Sie ein? f/8 gilt als verbreitete Antwort für Landschaften. Bei einem sehr nahen Vordergrund reicht die Schärfentiefe jedoch nicht immer bis zum Horizont. Wie groß der scharfe Bereich ist, hängt vom Abstand zum Vordergrund, der Brennweite und dem Fokuspunkt ab.
Prof. Dr. Erhardt Barth, Gründer von Excire und passionierter Fotograf, wählt seine Blende von Szene zu Szene neu. Dieser Artikel zeigt Ihnen, wie Schärfentiefe, Detailzeichnung, Fokuspunkt und Brennweite zusammenspielen.

Was bedeutet die Blendenzahl?
Die Blendenzahl gibt an, wie weit die Blende im Verhältnis zur Brennweite geöffnet ist. Je höher die Zahl, desto kleiner die Öffnung und desto weniger Licht fällt auf den Sensor: f/11 lässt deutlich weniger Licht durch als f/2.8. Jeder ganze Blendenschritt halbiert die Lichtmenge. Bei gleicher ISO verdoppelt sich deshalb beim Wechsel von f/8 auf f/11 die nötige Belichtungszeit.
f/8 bis f/11: die Standardblende für Landschaftsfotografie
Die Blende beeinflusst in Landschaftsaufnahmen vor allem die Schärfentiefe und die Belichtung. Zwischen f/8 und f/11 erreichen Sie oft einen großen Schärfebereich bei guter Abbildungsleistung.
Jedes Objektiv hat dabei seinen eigenen Sweet Spot. In diesem Blendenbereich liefert es eine hohe Detailauflösung, bevor starkes Abblenden (durch die sogenannte Beugungsschärfe) die Bildqualität wieder mindert. Für Landschaftsaufnahmen und Kleinbildformat liegt dieser Bereich häufig zwischen f/5.6 und f/11.
Barth wählt in der Praxis ähnliche Werte: „Meistens nehme ich für Landschaftsaufnahmen eine Blende 5.6 oder 8.“
Welche Rolle spielt das Sensorformat bei der Blendenwahl?
Das Sensorformat beeinflusst die Schärfentiefe. Bei vergleichbarem Bildwinkel und gleicher Bildgestaltung erreichen kleinere Sensorformate bereits mit niedrigeren Blendenzahlen eine ähnliche Schärfentiefe. Deshalb lassen sich Blendenempfehlungen für Vollformat, APS-C und Micro Four Thirds nicht eins zu eins übertragen.
| Diagonal [mm] | 6.6 | 8 | 11 | 21.6 | 26 | 40 | 70 | 90 | 150 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Format | 3.96x5.28 | 4.8x6.4 | 6.6x8.8 | 13x17.3 | 15.6x20.8 | 24x32 | 42x56 | 54x72 | 90x120 |
| 1/2.5" | 1/1.8" | 2/3" | 4/3" | APS | 35mm | 4.5x6 | 6x7 | 9x12 | |
| 1 | 1.7 | 2.4 | 4 | ||||||
| 1.4 | 2.4 | 3.4 | 5.6 | ||||||
| 1.4 | 2 | 3.4 | 4.8 | 8 | |||||
| 1.4 | 2 | 2.8 | 4.8 | 6.7 | 11 | ||||
| 1.2 | 2 | 2.8 | 4 | 6.7 | 9.5 | 16 | |||
| 1.2 | 1.7 | 2.8 | 4 | 5.6 | 9.5 | 13 | 22 | ||
| 1.4 | 1.7 | 2.4 | 4 | 5.6 | 8 | 13 | 19 | 32 | |
| 2 | 2.4 | 3.4 | 5.6 | 8 | 11 | 19 | 27 | 45 | |
| 2.8 | 3.4 | 4.8 | 8 | 11 | 16 | 27 | 38 | 64 | |
| 4 | 4.8 | 6.7 | 11 | 16 | 22 | 38 | 54 | 90 | |
| 5.6 | 6.7 | 9.5 | 16 | 22 | 32 | 54 | 76 | 128 |
Die Tabelle zeigt für unterschiedliche Bildformate in den verschiedenen Spalten den Blendenwert, der die gleiche Schärfeverteilung ergibt. Zum Beispiel ist Blende 2.8 bei Kleinbild (35mm) äquivalent zu Blende 2 bei APS. Hiermit lässt sich gut verstehen, warum kleine Formate, wie sie in Smartphones verwendet werden, keine geringe Schärfentiefe bieten können. Objektive mit Blendenzahlen kleiner als 1 machen kaum Sinn. Umgekehrt hat ein Sensor wie der in Spalte 1 mit Blende 2 bereits die gleiche Tiefenschärfe wie ein Kleinbildsensor mit Blende 11. Die Tabelle veranschaulicht also, warum es sich lohnen kann, eine größere Kamera zu kaufen und zu tragen.
Gleichzeitig setzt Beugung der Detailauflösung Grenzen. Ab welcher Blende sie sichtbar wird, hängt jedoch nicht allein vom Sensorformat ab, sondern auch von Sensorauflösung, Objektiv und Ausgabegröße.
Bei seiner GFX100S II ist f/11 für Barth noch gut nutzbar; bei stärkerem Abblenden nimmt er Beugung wahr.
Beugungsunschärfe: Warum f/22 Details kostet
Abblenden vergrößert die Schärfentiefe. Ab einem gewissen Punkt sinkt dabei die Auflösung des gesamten Bildes. Bei sehr kleinen Blendenöffnungen wird das Licht stärker gebeugt. Ein Bildpunkt trifft dann nicht mehr punktförmig, sondern als kleines Beugungsscheibchen auf den Sensor. Überdeckt dieses Beugungsscheibchen mehrere Pixel, verliert das Bild feine Details. Fotografen nennen diesen Effekt Beugungsunschärfe.
Entscheidend ist dabei nicht die Blendenzahl allein, sondern der tatsächliche Durchmesser der Blendenöffnung. Bei gleicher Blendenzahl arbeiten Objektive an größeren Sensorformaten oft mit einer größeren Öffnung, da sie in der Regel mit längeren Brennweiten kombiniert werden. Das erklärt einen Teil des Effekts aus dem vorigen Abschnitt: Größere Formate können unter sonst gleichen Bedingungen tendenziell weiter abblenden, bevor Beugung sichtbar wird.
Je höher die Sensorauflösung (oder: je kleiner der Pixel), desto eher kann der Effekt sichtbar werden. Wie deutlich Sie ihn wahrnehmen, hängt außerdem von Kamera, Objektiv und Ausgabegröße ab.
Brennweite und Fokuspunkt bestimmen die Schärfentiefe
Die Blende wirkt nie allein. Kurze Brennweiten erzeugen bei gleicher Blende meist eine größere Schärfentiefe; bei langen Brennweiten bleibt der scharf wirkende Bereich dagegen deutlich kleiner. Wie weit dieser Bereich reicht, hängt zusätzlich vom Sensorformat und vom Fokuspunkt ab.
Welche Brennweite zu Ihrem Motiv passt, lesen Sie im Beitrag zum Objektiv für die Landschaftsfotografie.
Fokuspunkt richtig setzen
Manche Fotografen orientieren sich an der Faustregel, dass etwa ein Drittel der Schärfentiefe vor dem Fokuspunkt und zwei Drittel dahinter liegen. Diese Aufteilung gilt aber nur in engen Grenzen, denn Brennweite und Motivabstand verschieben das Verhältnis stark. Unter Profis ist die Regel deshalb umstritten. Für einen ersten Eindruck reicht sie Einsteigern trotzdem aus.
Zuverlässiger bestimmt die hyperfokale Distanz den Fokuspunkt. Sie bezeichnet die kürzeste Entfernung, auf die Sie fokussieren können, damit auch sehr weit entfernte Motive noch ausreichend scharf erscheinen. Fokussieren Sie auf diese Distanz. Der ausreichend scharfe Bereich reicht dann von der halben Distanz bis zum Horizont.
Barth berechnet diesen Wert nicht jedes Mal neu. Er orientiert sich an der Schärfentiefenanzeige seiner Fujifilm-Kameras, die das Prinzip klassischer Schärfentiefenskalen digital abbildet.
Focus Stacking bei nahen Motiven
Liegt ein Motiv nur eine Armlänge vor dem Objektiv, schrumpft die Schärfentiefe stark. Reicht die Schärfentiefe trotz Abblenden nicht aus, kann Focus Stacking eine Alternative sein: Dabei fotografieren Sie dieselbe Szene mehrfach mit unterschiedlichem Fokus und verrechnen die Aufnahmen anschließend zu einem Bild mit großem Schärfebereich.
Barth nutzt diese Technik nicht, da ihm das Focus Stacking zu aufwendig ist. Entscheiden Sie selbst, ob sich der Mehraufwand für mehr Detailschärfe lohnt.
Welche Blende zu welchem Motiv passt
Diese Übersicht zeigt die passende Blende je Motiv (Kleinbildformat):
| Blende | Typische Wirkung | Geeignet, wenn Sie… |
|---|---|---|
| f/1.4 bis f/4 | geringe Schärfentiefe, weicher Hintergrund | einzelne Details freistellen |
| f/5.6 bis f/11 | häufig guter Kompromiss aus Detailzeichnung und Schärfentiefe | klassische Landschaften mit Tiefe fotografieren |
| f/11 bis f/16 | große Schärfentiefe, oft ausgeprägtere Lichtstrahlen | einen Sonnenstern gestalten |
| ab f/16 | noch größere Schärfentiefe, sinkende Detailauflösung | bewusst stark abblenden, wenn die Schärfentiefe wichtiger ist als maximale Detailauflösung |
Langzeitbelichtungen: Stativ und ND-Filter statt starkem Abblenden
Für Wasser oder ziehende Wolken brauchen Sie lange Verschlusszeiten. Blenden Sie dafür nicht unnötig stark ab, denn Beugung kann bei sehr kleinen Blenden feine Details mindern. Nutzen Sie stattdessen einen ND-Filter: Er reduziert die Lichtmenge und ermöglicht dadurch längere Belichtungszeiten, ohne weiter abzublenden.
Je nach Fließgeschwindigkeit kann Wasser schon ab einer halben Sekunde bis zwei Sekunden weich fließend wirken. Bei ziehenden Wolken werden deutliche Schlieren oft erst bei Belichtungszeiten von etwa 10-30 Sekunden sichtbar. Der genaue Effekt hängt zusätzlich von Entfernung und Brennweite ab.
Für solche Langzeitbelichtungen brauchen Sie ein stabiles Stativ, sonst verwackelt die Aufnahme.
Mit Excire Foto die eigene Blendenwahl prüfen
Jede Kamera-Objektiv-Kombination reagiert etwas anders. Excire Foto filtert Ihr Archiv nach Blende, Brennweite und Bewertung. Die Bildverwaltungssoftware stellt zudem ein Analyse-Modul bereit: Excire Analytics zeigt die Verteilung anschließend als Diagramm. So erkennen Sie, welche Blendenwerte zu Ihren besten Landschaftsfotos führten.


Barths Auswertung aus zehn Jahren: Am häufigsten fotografiert er mit f/5.6. Bei seinen mit mindestens vier Sternen bewerteten Bildern liegt dagegen f/4 vorn. Sogar f/2.8 kommt hier häufiger vor als f/8. Häufig genutzt heißt also nicht automatisch hoch bewertet.
Für Barth liegt darin der eigentliche Nutzen von Excire: Wer sich intensiver mit den eigenen Bildern beschäftigt, kann daraus lernen und sich fotografisch weiterentwickeln.
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Jetzt Excire Foto 2027 testenBlende für Landschaftsfotografie: Motiv, Brennweite und Fokus entscheiden mit
f/8 bis f/11 bleibt der solide Startwert für Landschaftsfotos. Ein naher Vordergrund kann stärkeres Abblenden oder Focus Stacking erfordern. Für einen Sonnenstern hilft meist stärkeres Abblenden, für ein freigestelltes Detail eher eine offene Blende. Prüfen Sie deshalb regelmäßig, welche Einstellungen Sie bei Ihren besten Aufnahmen verwendet haben.
FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Blende in der Landschaftsfotografie
Welche Blende ist ideal für die Landschaftsfotografie?
f/8 bis f/11 ist ein guter Ausgangspunkt für durchgehend scharfe Landschaftsfotos. Bei einem nahen Vordergrund brauchen Sie eine höhere Blendenzahl (stärkeres Abblenden) oder Focus Stacking.
Ab welcher Blende tritt Beugungsunschärfe auf?
Beugungsunschärfe nimmt bei starkem Abblenden zu. Wann sie im Bild sichtbar wird, hängt von Kamera, Objektiv, Sensorauflösung und Ausgabegröße ab. Werte ab etwa f/16 sollten Sie deshalb besonders kritisch prüfen.
Welche Vorteile bietet die variable Blende des iPhone 18 Pro?
Bei kleinen Kameras, wie sie zum Beispiel in Smartphones vorkommen, tritt immer Beugung auf, die durch die Software teilweise korrigiert wird. Deshalb haben sie in der Regel keine einstellbare Blende, da das Schließen der Blende die Sache nur verschlimmern würde.
Das neue iPhone 18 Pro wird als erstes iPhone mit variabler Blende beworben. Das bedeutet: Durch die nun größere maximale Blendenöffnung kann die Kamera bei wenig Licht mehr Licht aufnehmen. Bei guten Lichtverhältnissen wären die optischen Abbildungsfehler ohne das Schließen der Blende stärker sichtbar als die Beugungseffekte.
Welche Blende eignet sich für einen unscharfen Hintergrund?
Für einen unscharfen Hintergrund öffnen Sie die Blende weit, etwa auf f/1.4 bis f/2.8. Eine längere Brennweite und ein geringerer Abstand zum Motiv verstärken den Unschärfeeffekt. Zusätzlich sollte der Hintergrund möglichst weit vom Motiv entfernt sein. Das gilt auch nur für das Kleinbildformat.

Was ist die hyperfokale Distanz?
Die hyperfokale Distanz ist die kürzeste Entfernung, auf die Sie fokussieren können, damit auch weit entfernte Motive noch ausreichend scharf erscheinen. Der ausreichend scharfe Bereich beginnt dabei schon ab der halben hyperfokalen Distanz. Wer stattdessen auf den Horizont fokussiert, lässt einen Teil der Schärfentiefe ungenutzt – der Vordergrund bleibt dann oft unscharf.
Welche Blende ist am besten für Sonnenuntergänge?
Für Sonnenuntergänge sind die Blenden f/8 bis f/11 oft ein guter Ausgangspunkt, wenn eine große Schärfentiefe gewünscht ist. Für einen ausgeprägten Sonnenstern schließen Sie die Blende stärker auf f/11 bis f/16. Dabei kann die Detailauflösung durch Beugung leicht abnehmen. Weitere Tipps zum Fotografieren von Sonnenuntergängen finden Sie hier.
Wie wichtig ist ein Stativ in der Landschaftsfotografie?
Ein Stativ stabilisiert die Kamera bei langen Belichtungszeiten und reduziert Verwacklungen. Ohne Stativ lassen sich Focus Stacking und lange Verschlusszeiten oder Panoramas kaum präzise umsetzen.
Wie ist der Schärfeverlauf einer Lochkamera?
Lochkameras haben keine Linsen und zeichnen deshalb unabhängig vom Abstand zu den Motiven gleich scharf oder, besser gesagt, gleich unscharf. Dadurch entstehen oft interessante Effekte wie wir sie von den berühmten Bildern von Gerhard Richter kennen.


