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Welches Objektiv eignet sich für Landschaftsfotografie?

Landschaftsfotografie am Reschenpass mit Bergen und Wald, aufgenommen mit 28-mm-Objektiv | Excire

Warum es nicht das eine Landschaftsobjektiv gibt

Weitwinkel für weite Landschaften, Teleobjektiv für Details: Diese Faustregel greift zu kurz. Prof. Dr. Erhardt Barth, Gründer von Excire und leidenschaftlicher Fotograf, fotografierte Landschaften früher oft mit 50 mm und nutzt heute sogar ein Fisheye für Panoramen. Welche Brennweite passt, entscheidet deshalb nicht die Kategorie „Landschaft“, sondern das Motiv, die Intention.

Porträt von Prof. Dr. Erhardt Barth mit Kamera | Excire
Portrait von Prof. Dr. Erhardt Barth, der im Artikel sein Wissen über Landschaftsfotografie und den Einsatz verschiedener Objektive teilt.

Weitwinkel oder Teleobjektiv – das Motiv entscheidet

Viele Einsteiger greifen zuerst zum Weitwinkelobjektiv, um möglichst viel Landschaft einzufangen. Doch ein Weitwinkel zeigt, wo Sie stehen, ein Teleobjektiv dagegen, was Sie dort fasziniert.

Weitwinkelobjektiv für weite Landschaften und starke Vordergründe

Ein Weitwinkelobjektiv unter 35 mm erfasst einen großen Bildwinkel. Entfernte Landschaftsebenen wirken dadurch kleiner, ein naher Vordergrund dagegen besonders präsent. Das eignet sich für weite Landschaften, dramatische Himmel und Motive mit starkem Vordergrund.

Dolomiten-Landschaft mit markanter Felsformation und weitem Blick, aufgenommen mit 28-mm-Weitwinkelobjektiv | Excire
Weite Landschaftsaufnahme der Dolomiten mit markanter Felsformation im Vordergrund. Das 28-mm-Weitwinkelobjektiv zeigt die große Landschaft mit Bergkette, Wiesen und dramatischem Wolkenhimmel. Die räumliche Tiefe wird durch den Vordergrund und die entfernten Berge betont.

Teleobjektiv in der Landschaftsfotografie: Ebenen verdichten

Mit einem Teleobjektiv lassen sich entfernte Landschaftsebenen eng staffeln. Bergkämme oder Nebelschichten wirken dadurch im Bild dichter zusammengerückt. Bei der Landschaftsfotografie mit Teleobjektiv blenden Sie störende Elemente am Bildrand aus. Dadurch lenken Sie den Blick auf ausgewählte Details.

Zwölf Apostel an der Küste Australiens mit 210-mm-Teleobjektiv aufgenommen | Excire
Landschaftsaufnahme der Zwölf Apostel an der australischen Küste bei Sonnenuntergang. Das 210-mm-Teleobjektiv verdichtet die Felsformationen und lässt die einzelnen Kalksteinsäulen näher zusammenrücken. Das warme Licht und die Gischt betonen die Tiefe der Küstenlandschaft.

Von 11 bis 400 mm: So wirkt jede Brennweite

Brennweitenbereich*Typische BildwirkungGeeignet, wenn Sie…
Fisheyeextrem großer Bildwinkel, charakteristische Verzeichnungexperimentelle Landschaften oder Panoramen aufnehmen
Weitwinkel, etwa 14–35 mmviel Umgebung, starker VordergrundWeite und räumliche Tiefe zeigen
Normalbereich, etwa 40–60 mmzurückhaltende, natürliche Wirkungdie natürliche Perspektive zeigen
ab 70 mmenger Ausschnitt, gestaffelte EbenenBergkämme, Wald oder Nebelschichten
85 mm oder 100–400 mmsehr enger Ausschnitt, abstraktere Wirkungentfernte Details und grafische Strukturen hervorheben

*Alle Brennweiten im Text bezogen auf das Kleinbildformat. Die Übergänge sind fließend.

Barth fasst seine Wahl pragmatisch zusammen: Für weite Landschaften greift er zum Weitwinkel, für komprimierte Landschaften zum Tele. Früher fotografierte er Landschaften häufig auch mit 50 mm.

Uluru mit weiter Landschaft und großem Vordergrund aus Gräsern, aufgenommen mit 24-mm-Weitwinkelobjektiv | Excire
Die Weitwinkelaufnahme zeigt den Uluru mit seiner Umgebung. Der große Vordergrund aus Gräsern und die weite Landschaft betonen die räumliche Tiefe. Der Felsen wirkt eingebettet in die Landschaft.
Uluru mit kleinerem Bildausschnitt und stärkerer Betonung des Felsens, aufgenommen mit 50-mm-Objektiv | Excire
Die Aufnahme mit 50 mm zeigt den Uluru in einem engeren Bildausschnitt. Der Felsen nimmt mehr Raum im Bild ein, während der Vordergrund und die Umgebung weniger präsent wirken.

Warum 16–35 mm nicht automatisch das beste Landschaftsobjektiv ist

Viele Ratgeber empfehlen ein 16-35-mm-Zoom als Standard für Landschaftsfotos. Diese Pauschalregel greift zu kurz. Sehr weite Brennweiten können viel Umgebung zeigen, verlangen aber oft eine bewusste Bildgestaltung. Ein Objektiv um 50 mm wirkt zurückhaltender und zeigt die Landschaft ruhiger und natürlicher.

Expertentipp: Der Excire-Gründer fotografierte früher fast ausschließlich mit 50 mm – auch Landschaften. Ein 11-mm-Fischaugenobjektiv unterschätzte er anfangs. Heute setzt er es gezielt für (interaktive) Panoramen ein. Entscheidend ist für ihn nicht die typische Landschaftsbrennweite, sondern die gewünschte Bildwirkung.

So wählen Sie zwischen Zoom und Festbrennweite

Die Bauform beeinflusst, wie flexibel Sie den Bildausschnitt im Gelände wählen. Mit einem Zoom verändern Sie die Brennweite, ohne den Standort wechseln zu müssen. Eine Festbrennweite fordert dagegen häufiger eine bewusste Wahl des Standorts.

Vorteile einer Festbrennweite

Eine Festbrennweite ist auf eine einzige Brennweite ausgelegt. Festbrennweiten bieten häufig eine hohe Lichtstärke und eine sehr gute Bildqualität. Kompakte Modelle wiegen zudem wenig, was auf langen Wegen zu Fuß zählt.

Wann sich ein Zoom lohnt

Ein Zoomobjektiv deckt mehrere Brennweiten ab. Sie wechseln das Objektiv im Gelände seltener und reagieren schneller auf neue Motive.

Erhardt Barth nutzt beide Bauformen: „Derzeit fotografiere ich Landschaften meistens mit einem 20-35-mm-Zoom an der GFX100S II, entsprechend 16–28 mm im Kleinbildformat, oder immer öfter mit der GFX100RF und ihrer 35-mm-Festbrennweite, entsprechend 28 mm.“

Sein Beispiel zeigt: Nicht nur die Brennweite entscheidet, sondern auch, wie flexibel und kompakt die Ausrüstung unterwegs sein soll.

Zwei Kameraausrüstungen für Landschaftsfotografie: links leichtes Setup, rechts Kamera mit Objektiven und Stativ | Excire
Foto der Ausrüstung für die Landschaftsfotografie. Links liegt eine leichte Kameraausrüstung mit kleinem Objektiv, rechts eine umfangreichere Ausrüstung mit Kamera, mehreren Objektiven, Stativ und Zubehör.

Drei Kaufkriterien von Landschaftsobjektiven im Check

Bildstabilisator, Preis und Wetterschutz gelten als klare Kaufargumente. Wie viel Ihnen diese Merkmale nützen, hängt davon ab, wie und wo Sie fotografieren.

Bildstabilisator am Stativ

Am Stativ ist der Bildstabilisator oft nicht nötig. Bei manchen Systemen erzeugt er dort sogar störende Mikrobewegungen, andere erkennen das Stativ von selbst. Prüfen Sie deshalb die Anleitung Ihrer Kamera. Aus der Hand gleicht der Bildstabilisator dagegen leichte Kamerabewegungen aus und hilft, unscharfe Aufnahmen zu vermeiden.

Barth hält es so: „Am Stativ schalte ich den Stabilisator aus. Ich benutze auch oft Kameras und Objektive, die gar keinen haben.“

Preis und Qualität

Ein hoher Preis garantiert nicht automatisch die bessere Wahl. Erhardt Barth nennt sein Fisheye als Gegenbeispiel: Es ist vergleichsweise günstig und liefert ihm dennoch die Qualität, die er für seine Panoramen braucht. Preis, Bildqualität und praktischer Nutzen hängen deshalb nicht immer direkt zusammen.

Wetterfestigkeit unterwegs

Wetterfeste bzw. wettergeschützte Objektive sind gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet. Das ist besonders wichtig, wenn Sie häufig bei wechselndem Wetter fotografieren. Wetterfest bedeutet jedoch nicht, dass das Objektiv beliebig starker Nässe ausgesetzt werden kann. Den vorgesehenen Schutz erreicht das System außerdem nur mit einem entsprechend abgedichteten Kameragehäuse. Für Barth ist Wetterfestigkeit unterwegs daher ein wichtiges Kaufkriterium.

Das Objektiv-System gezielt aufbauen

Wer sein System planvoll erweitert, vermeidet unnötige Überschneidungen und kauft gezielter. Dabei sollten Sie sowohl das Sensorformat als auch weniger typische Objektive berücksichtigen.

Das Sensorformat beim Objektivkauf mitdenken

Viele Landschaftsfotografen kaufen Objektive, die sich in der Brennweite überschneiden. Beim Objektivkauf sollten Sie Sensorformat und Bildwinkel zusammen betrachten. Dieselbe Brennweite erzeugt an APS-C, Vollformat und Mittelformat unterschiedliche Bildwinkel. Prüfen Sie außerdem, ob vorhandene Objektive mit einem späteren Systemwechsel kompatibel sind.

Barth nutzt im APS-C-Format unter anderem eine Fujifilm X-T3 und X100S, fotografiert inzwischen aber überwiegend mit Fujifilm-Mittelformatkameras.

Ungewöhnliche Objektive ausprobieren

Probieren Sie auch längere Brennweiten, etwa 85 mm oder ein 100-400-mm-Zoom. Damit lassen sich entfernte Landschaftsdetails gezielt herauslösen.

Erhardt Barth gibt einen ungewöhnlichen Praxistipp: „Was Spaß macht, ist, Hasselblad- und Leica-Objektive oder das Rodenstock Imagon mit Adaptern an Fuji-Mittelformatkameras zu nutzen.“

Stimmungsvolle Landschaftsaufnahme mit weichen Kontrasten, erzeugt mit einem Imagon-Objektiv | Excire
Landschaftsaufnahme mit weichen Kontrasten und sanften Übergängen. Licht fällt auf Gräser und Tiere auf der Wiese, während dunkle Bildbereiche die Struktur betonen. Die besondere Bildwirkung entsteht durch das Imagon-Objektiv mit Siebblende.

Solche Kombinationen eröffnen eine andere Bildwirkung und machen die Objektivwahl bewusst experimenteller. Je nach Objektiv und Adapter erfolgt die Bedienung dabei teilweise oder vollständig manuell.

Mit Excire Analytics das eigene Archiv vor dem Kauf auswerten

Aus Ihrem eigenen Archiv lernen Sie mehr als aus einem Datenblatt. Das Analyse-Modul von Excire Foto „Excire Analytics“ wertet die Metadaten Ihrer Fotos aus und zeigt zum Beispiel, welche Objektive und Brennweiten Sie am häufigsten einsetzen.

Video: Excire Analytics Tutorial mit Thomas
Video: Excire Analytics Tutorial mit Thomas
Excire-Analytics-Diagramm zur Brennweitenverteilung von Landschaftsbildern. 24 mm wird am häufigsten verwendet, gefolgt von 28 mm und 40 mm | Excire
Mit Excire Analytics erstellte Verteilung der besten Landschaftsbilder über die äquivalente Brennweite. 24mm (blauer Balken) kommt am häufigsten vor, gefolgt von 28mm und 40mm.

Wenn Sie Ihre Bilder mit Sternen bewertet haben, können Sie in der Bildverwaltungssoftware zusätzlich prüfen, mit welchen Objektiven oder Brennweiten Ihre besten Landschaftsfotos entstanden sind, oder Sie nutzen den von Excire vergebenen Ästhetikwert. So kennen Sie Ihren tatsächlichen Bedarf, bevor Sie in ein neues Objektiv für die Landschaftsfotografie investieren.

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Das Motiv gibt die Brennweite vor

Das passende Objektiv für die Landschaftsfotografie richtet sich nach dem Motiv. Weitwinkel betont die Weite, ein Teleobjektiv verdichtet die Ebenen. Auch 50 mm oder ein Fisheye können je nach Motiv die bessere Wahl sein. Werten Sie zuerst Ihre eigenen Fotos aus, dann kaufen Sie gezielter.

Eine (wichtige) Sache noch:

„Die perspektivische Wirkung wird durch den Ausschnitt und den Abstand bestimmt und nur indirekt durch das Objektiv. Ein Weitwinkel ermöglicht einen weiteren Ausschnitt und das Tele eine höhere Auflösung bei kleinerem Ausschnitt. Das wird bei „digitalen“ Zooms genutzt, was aber meistens durch die geringere Auflösung eine Krücke ist. Mit einer Kamera wie der GFX100RF ist die Auflösung des Sensors allerdings so hoch, dass man durchaus eine „Teleaufnahme“ mit dem 28mm Objektiv machen kann. Die alte Regel von Magnum Fotografen (niemals croppen!) ist dadurch obsolet geworden.

Braucht man einen weiteren Ausschnitt, hilft Croppen nicht. Man kann aber mehrere Aufnahmen machen und diese zusammenfügen (Stitching). Man gewinnt damit nicht nur Ausschnitt, sondern auch Auflösung und vermeidet die Verzerrungen einer kürzeren Brennweite (vorausgesetzt man schwenkt und projiziert richtig).“ – Prof. Dr. Erhardt Barth

Sechs Hochformat-Landschaftsaufnahmen derselben Szene mit 63 mm Brennweite | Excire
Sechs Landschaftsaufnahmen im Hochformat mit 63mm
Panorama einer Berglandschaft aus sechs Einzelaufnahmen zusammengesetzt | Excire
Panorama aus den sechs Einzelaufnahmen zusammengesetzt (Originalauflösung ca. 30.000 x 5.500 Pixel)
Landschaftsaufnahme mit Bergen und weiter Sicht, aufgenommen mit 28-mm-Weitwinkelobjektiv | Excire
Aufnahme mit 28mm vom gleichen Standort. Man sieht: Das 63mm wirkt „weiter“ als das 28mm. Wie man hier noch sehen kann, spielt auch das Seitenverhältnis eine wichtige Rolle für die Bildwirkung.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Objektiven für die Landschaftsfotografie

Was unterscheidet 18 mm und 35 mm bei Landschaftsfotos?

18 mm erfasst einen deutlich größeren Bildwinkel als 35 mm und lässt nahe Vordergrundmotive besonders präsent erscheinen. Ein markanter Vordergrund kann helfen, die große Bildfläche zu strukturieren. 35 mm zeigt dagegen einen engeren Ausschnitt und wirkt räumlich zurückhaltender.

Warum sieht mein Landschaftsfoto mit 18 mm so leer aus?

Mit 18 mm erfassen Sie einen sehr großen Bildwinkel. Fehlt ein klarer Vordergrund oder Blickfang, kann die Landschaft dadurch leer wirken. Gehen Sie näher an ein Vordergrundmotiv heran oder wählen Sie einen engeren Bildausschnitt.

Welche Brennweite eignet sich am besten für Berge und Wälder?

Für Berge und Wälder gibt es keine einzige ideale Brennweite. Ein Weitwinkel betont Weite und Vordergrund, ein Teleobjektiv isoliert entfernte Details und lässt Bergketten oder Baumreihen dichter gestaffelt erscheinen. Welche Brennweite passt, hängt von der gewünschten Bildwirkung ab.

Landschaftsfotografie mit Spiegelung im Wasser, aufgenommen mit 75-mm-Objektiv. | Excire
Im Wald mal anders, mit 75mm
Welches Objektiv brauche ich für Landschaften mit Sternenhimmel?

Für Landschaften mit Sternenhimmel eignet sich meist ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv. Brennweiten von etwa 12 bis 24 mm im Kleinbildformat erfassen viel Himmel und Landschaft. Sterne erscheinen nur bei kurzer Belichtungszeit als Punkte. Eine große Offenblende von f/1.4 bis f/2.8 sorgt dabei für ausreichend Licht und hält den ISO-Wert vergleichsweise niedrig.

Landschaftsfotografie: Sternenhimmel über Bäumen, aufgenommen mit 24-mm-Festbrennweitenobjektiv | Excire
Australischer Sternenhimmel mit Milchstraße über einer Baumlandschaft, aufgenommen mit 24mm F1.4 Festbrennweite. Der weite Bildwinkel betont die Verbindung von Himmel und Landschaft.

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