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Welches Objektiv eignet sich für Landschaftsfotografie?
Warum es nicht das eine Landschaftsobjektiv gibt
Weitwinkel für weite Landschaften, Teleobjektiv für Details: Diese Faustregel greift zu kurz. Prof. Dr. Erhardt Barth, Gründer von Excire und leidenschaftlicher Fotograf, fotografierte Landschaften früher oft mit 50 mm und nutzt heute sogar ein Fisheye für Panoramen. Welche Brennweite passt, entscheidet deshalb nicht die Kategorie „Landschaft“, sondern das Motiv, die Intention.

Weitwinkel oder Teleobjektiv – das Motiv entscheidet
Viele Einsteiger greifen zuerst zum Weitwinkelobjektiv, um möglichst viel Landschaft einzufangen. Doch ein Weitwinkel zeigt, wo Sie stehen, ein Teleobjektiv dagegen, was Sie dort fasziniert.
Weitwinkelobjektiv für weite Landschaften und starke Vordergründe
Ein Weitwinkelobjektiv unter 35 mm erfasst einen großen Bildwinkel. Entfernte Landschaftsebenen wirken dadurch kleiner, ein naher Vordergrund dagegen besonders präsent. Das eignet sich für weite Landschaften, dramatische Himmel und Motive mit starkem Vordergrund.

Teleobjektiv in der Landschaftsfotografie: Ebenen verdichten
Mit einem Teleobjektiv lassen sich entfernte Landschaftsebenen eng staffeln. Bergkämme oder Nebelschichten wirken dadurch im Bild dichter zusammengerückt. Bei der Landschaftsfotografie mit Teleobjektiv blenden Sie störende Elemente am Bildrand aus. Dadurch lenken Sie den Blick auf ausgewählte Details.

Von 11 bis 400 mm: So wirkt jede Brennweite
| Brennweitenbereich* | Typische Bildwirkung | Geeignet, wenn Sie… |
|---|---|---|
| Fisheye | extrem großer Bildwinkel, charakteristische Verzeichnung | experimentelle Landschaften oder Panoramen aufnehmen |
| Weitwinkel, etwa 14–35 mm | viel Umgebung, starker Vordergrund | Weite und räumliche Tiefe zeigen |
| Normalbereich, etwa 40–60 mm | zurückhaltende, natürliche Wirkung | die natürliche Perspektive zeigen |
| ab 70 mm | enger Ausschnitt, gestaffelte Ebenen | Bergkämme, Wald oder Nebelschichten |
| 85 mm oder 100–400 mm | sehr enger Ausschnitt, abstraktere Wirkung | entfernte Details und grafische Strukturen hervorheben |
*Alle Brennweiten im Text bezogen auf das Kleinbildformat. Die Übergänge sind fließend.
Barth fasst seine Wahl pragmatisch zusammen: Für weite Landschaften greift er zum Weitwinkel, für komprimierte Landschaften zum Tele. Früher fotografierte er Landschaften häufig auch mit 50 mm.


Warum 16–35 mm nicht automatisch das beste Landschaftsobjektiv ist
Viele Ratgeber empfehlen ein 16-35-mm-Zoom als Standard für Landschaftsfotos. Diese Pauschalregel greift zu kurz. Sehr weite Brennweiten können viel Umgebung zeigen, verlangen aber oft eine bewusste Bildgestaltung. Ein Objektiv um 50 mm wirkt zurückhaltender und zeigt die Landschaft ruhiger und natürlicher.
Expertentipp: Der Excire-Gründer fotografierte früher fast ausschließlich mit 50 mm – auch Landschaften. Ein 11-mm-Fischaugenobjektiv unterschätzte er anfangs. Heute setzt er es gezielt für (interaktive) Panoramen ein. Entscheidend ist für ihn nicht die typische Landschaftsbrennweite, sondern die gewünschte Bildwirkung.
So wählen Sie zwischen Zoom und Festbrennweite
Die Bauform beeinflusst, wie flexibel Sie den Bildausschnitt im Gelände wählen. Mit einem Zoom verändern Sie die Brennweite, ohne den Standort wechseln zu müssen. Eine Festbrennweite fordert dagegen häufiger eine bewusste Wahl des Standorts.
Vorteile einer Festbrennweite
Eine Festbrennweite ist auf eine einzige Brennweite ausgelegt. Festbrennweiten bieten häufig eine hohe Lichtstärke und eine sehr gute Bildqualität. Kompakte Modelle wiegen zudem wenig, was auf langen Wegen zu Fuß zählt.
Wann sich ein Zoom lohnt
Ein Zoomobjektiv deckt mehrere Brennweiten ab. Sie wechseln das Objektiv im Gelände seltener und reagieren schneller auf neue Motive.
Erhardt Barth nutzt beide Bauformen: „Derzeit fotografiere ich Landschaften meistens mit einem 20-35-mm-Zoom an der GFX100S II, entsprechend 16–28 mm im Kleinbildformat, oder immer öfter mit der GFX100RF und ihrer 35-mm-Festbrennweite, entsprechend 28 mm.“
Sein Beispiel zeigt: Nicht nur die Brennweite entscheidet, sondern auch, wie flexibel und kompakt die Ausrüstung unterwegs sein soll.

Drei Kaufkriterien von Landschaftsobjektiven im Check
Bildstabilisator, Preis und Wetterschutz gelten als klare Kaufargumente. Wie viel Ihnen diese Merkmale nützen, hängt davon ab, wie und wo Sie fotografieren.
Bildstabilisator am Stativ
Am Stativ ist der Bildstabilisator oft nicht nötig. Bei manchen Systemen erzeugt er dort sogar störende Mikrobewegungen, andere erkennen das Stativ von selbst. Prüfen Sie deshalb die Anleitung Ihrer Kamera. Aus der Hand gleicht der Bildstabilisator dagegen leichte Kamerabewegungen aus und hilft, unscharfe Aufnahmen zu vermeiden.
Barth hält es so: „Am Stativ schalte ich den Stabilisator aus. Ich benutze auch oft Kameras und Objektive, die gar keinen haben.“
Preis und Qualität
Ein hoher Preis garantiert nicht automatisch die bessere Wahl. Erhardt Barth nennt sein Fisheye als Gegenbeispiel: Es ist vergleichsweise günstig und liefert ihm dennoch die Qualität, die er für seine Panoramen braucht. Preis, Bildqualität und praktischer Nutzen hängen deshalb nicht immer direkt zusammen.
Wetterfestigkeit unterwegs
Wetterfeste bzw. wettergeschützte Objektive sind gegen Staub und Feuchtigkeit abgedichtet. Das ist besonders wichtig, wenn Sie häufig bei wechselndem Wetter fotografieren. Wetterfest bedeutet jedoch nicht, dass das Objektiv beliebig starker Nässe ausgesetzt werden kann. Den vorgesehenen Schutz erreicht das System außerdem nur mit einem entsprechend abgedichteten Kameragehäuse. Für Barth ist Wetterfestigkeit unterwegs daher ein wichtiges Kaufkriterium.
Das Objektiv-System gezielt aufbauen
Wer sein System planvoll erweitert, vermeidet unnötige Überschneidungen und kauft gezielter. Dabei sollten Sie sowohl das Sensorformat als auch weniger typische Objektive berücksichtigen.
Das Sensorformat beim Objektivkauf mitdenken
Viele Landschaftsfotografen kaufen Objektive, die sich in der Brennweite überschneiden. Beim Objektivkauf sollten Sie Sensorformat und Bildwinkel zusammen betrachten. Dieselbe Brennweite erzeugt an APS-C, Vollformat und Mittelformat unterschiedliche Bildwinkel. Prüfen Sie außerdem, ob vorhandene Objektive mit einem späteren Systemwechsel kompatibel sind.
Barth nutzt im APS-C-Format unter anderem eine Fujifilm X-T3 und X100S, fotografiert inzwischen aber überwiegend mit Fujifilm-Mittelformatkameras.
Ungewöhnliche Objektive ausprobieren
Probieren Sie auch längere Brennweiten, etwa 85 mm oder ein 100-400-mm-Zoom. Damit lassen sich entfernte Landschaftsdetails gezielt herauslösen.
Erhardt Barth gibt einen ungewöhnlichen Praxistipp: „Was Spaß macht, ist, Hasselblad- und Leica-Objektive oder das Rodenstock Imagon mit Adaptern an Fuji-Mittelformatkameras zu nutzen.“

Solche Kombinationen eröffnen eine andere Bildwirkung und machen die Objektivwahl bewusst experimenteller. Je nach Objektiv und Adapter erfolgt die Bedienung dabei teilweise oder vollständig manuell.
Mit Excire Analytics das eigene Archiv vor dem Kauf auswerten
Aus Ihrem eigenen Archiv lernen Sie mehr als aus einem Datenblatt. Das Analyse-Modul von Excire Foto „Excire Analytics“ wertet die Metadaten Ihrer Fotos aus und zeigt zum Beispiel, welche Objektive und Brennweiten Sie am häufigsten einsetzen.


Wenn Sie Ihre Bilder mit Sternen bewertet haben, können Sie in der Bildverwaltungssoftware zusätzlich prüfen, mit welchen Objektiven oder Brennweiten Ihre besten Landschaftsfotos entstanden sind, oder Sie nutzen den von Excire vergebenen Ästhetikwert. So kennen Sie Ihren tatsächlichen Bedarf, bevor Sie in ein neues Objektiv für die Landschaftsfotografie investieren.
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Jetzt Excire Foto 2027 testenDas Motiv gibt die Brennweite vor
Das passende Objektiv für die Landschaftsfotografie richtet sich nach dem Motiv. Weitwinkel betont die Weite, ein Teleobjektiv verdichtet die Ebenen. Auch 50 mm oder ein Fisheye können je nach Motiv die bessere Wahl sein. Werten Sie zuerst Ihre eigenen Fotos aus, dann kaufen Sie gezielter.
Eine (wichtige) Sache noch:
„Die perspektivische Wirkung wird durch den Ausschnitt und den Abstand bestimmt und nur indirekt durch das Objektiv. Ein Weitwinkel ermöglicht einen weiteren Ausschnitt und das Tele eine höhere Auflösung bei kleinerem Ausschnitt. Das wird bei „digitalen“ Zooms genutzt, was aber meistens durch die geringere Auflösung eine Krücke ist. Mit einer Kamera wie der GFX100RF ist die Auflösung des Sensors allerdings so hoch, dass man durchaus eine „Teleaufnahme“ mit dem 28mm Objektiv machen kann. Die alte Regel von Magnum Fotografen (niemals croppen!) ist dadurch obsolet geworden.
Braucht man einen weiteren Ausschnitt, hilft Croppen nicht. Man kann aber mehrere Aufnahmen machen und diese zusammenfügen (Stitching). Man gewinnt damit nicht nur Ausschnitt, sondern auch Auflösung und vermeidet die Verzerrungen einer kürzeren Brennweite (vorausgesetzt man schwenkt und projiziert richtig).“ – Prof. Dr. Erhardt Barth



FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Objektiven für die Landschaftsfotografie
Was unterscheidet 18 mm und 35 mm bei Landschaftsfotos?
18 mm erfasst einen deutlich größeren Bildwinkel als 35 mm und lässt nahe Vordergrundmotive besonders präsent erscheinen. Ein markanter Vordergrund kann helfen, die große Bildfläche zu strukturieren. 35 mm zeigt dagegen einen engeren Ausschnitt und wirkt räumlich zurückhaltender.
Warum sieht mein Landschaftsfoto mit 18 mm so leer aus?
Mit 18 mm erfassen Sie einen sehr großen Bildwinkel. Fehlt ein klarer Vordergrund oder Blickfang, kann die Landschaft dadurch leer wirken. Gehen Sie näher an ein Vordergrundmotiv heran oder wählen Sie einen engeren Bildausschnitt.
Welche Brennweite eignet sich am besten für Berge und Wälder?
Für Berge und Wälder gibt es keine einzige ideale Brennweite. Ein Weitwinkel betont Weite und Vordergrund, ein Teleobjektiv isoliert entfernte Details und lässt Bergketten oder Baumreihen dichter gestaffelt erscheinen. Welche Brennweite passt, hängt von der gewünschten Bildwirkung ab.

Welches Objektiv brauche ich für Landschaften mit Sternenhimmel?
Für Landschaften mit Sternenhimmel eignet sich meist ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv. Brennweiten von etwa 12 bis 24 mm im Kleinbildformat erfassen viel Himmel und Landschaft. Sterne erscheinen nur bei kurzer Belichtungszeit als Punkte. Eine große Offenblende von f/1.4 bis f/2.8 sorgt dabei für ausreichend Licht und hält den ISO-Wert vergleichsweise niedrig.


